Deutsches Reich 1933 - 1945Kunst

274 Arno Breker: Reliefporträt Adolf Hitler

Bronze. Unsigniert. Durchmesser: 44 cm

Sehr ausdrucksvolle Darstellung Adolf Hitlers im Profil. 

Obgleich unsigniert eindeutig ein Werk des bedeutenden Bildhauers Arno Breker.

Hervorragend für eine nach wissenschaftlichen Grundsätzen aufgebaute museale Ausstellung zum Thema „Führerkult im 3. Reich“ geeignet.

Arno Breker (1900 - 1991) wurde als ältester Sohn des Steinmetz-Meistersund Grabmalkünstlers Arnold Breker und dessen Frau Luise im Jahre 1900 in Elberfeld geboren. Er besuchte die Oberrealschule, erlernte im elterlichen Betrieb schon früh das Steinmetz-Handwerk, besuchte die Kunstgewerbeschule in Elberfeld und beschäftigte sich mit den Werken Auguste Rodins und Michelangelos. Nachdem er eine Zusammenarbeit mit dem Künstler und Professor Adolf von Hildebrand (München ) aus wirtschaftlichen Gründen nicht hatteverwirklichen können, begann er 1920 das Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Dort begegnete er den revolutionären Künstlern des Jungen Rheinland, von denener sich aber nach einiger Zeit distanzierte. Sein Vorbild wurde Rodin, nachdemeine Skulptur des französischen Bildhauers bei ihm einen starken Eindruckhinterlassen hatte. Er studierte Architektur bei Wilhelm Kreis und Plastik bei Hubert Netzer, einem Schüler Adolf von Hildebrands.

Er beteiligte sich erfolgreich an mehreren Architekturwettbewerben und Wettbewerben für Ehrenmale, so etwa 1922/23 aneinem Wettbewerb für die Gestaltung des Ehrenfriedhofs seiner Heimatstadt Elberfeld (Mutter-Sohn-Gruppe, Pietà-Typus ). Der Kunstverein für die Rheinlandeund Westfalen beauftragte ihn mit der Gestaltung von Jahresgaben. 1924, kurzvor dem Ende seines Studiums, unternahm er seine erste Reise nach Paris, demdamaligen Zentrum der modernen Plastik. Dort begegnete er dem Schriftstellerund Maler Jean Cocteau, dem Filmregisseur Jean Renoir, dem jüdischen Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler und dem Kunsthändler und Publizisten Alfred Flechtheim, der ebenfalls jüdischer Abstammung war. Auch lernte er dort Pablo Picasso kennen. Flechtheim nahm Breker unter Vertrag und machte ihn in der Pariser Kunstszene bekannt.

1925 schloss er sein Studium in Düsseldorf ab. Die zur Ausstellung "Ge So Lei" im Auftrag von Wilhelm Kreis geschaffene Monumental-Figurder liegenden "Aurora" auf dem Dach des Ehrenhofes in Düsseldorf verdeutlichtbereits Brekers Begabung für baugebundene Bildhauerei.

Arno Breker wurde der Wanderpreis des Regierungspräsidentenin Düsseldorf verliehen.

1927 bekam er von der Stadt Budberg (Rheinberg/Niederrhein )einen Auftrag für die Gestaltung eines Kriegerdenkmals. 1928 erbaute er ein Denkmal bei Kleve-Kellen, das an Übergriffe belgischer Truppen während der Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg (1918-1926) erinnern sollte. Dieswaren Arbeiten, die er wahrscheinlich - ebenso wie die "Aurora" - der Vermittlung seines ehemaligen Lehrers Wilhelm Kreis verdankte. Er fertigte Porträtbüsten, etwa die des Malers Otto Dix, oder im Regierungsauftrag eine Büste Friedrich Eberts, des im Februar 1925 verstorbenen ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Er unternahm eine zweite Reise nach Paris und begegnete dort unter anderem Alexander Calder.

1927 beschloss er, sich in Paris niederzulassen. Er knüpftezahlreiche Kontakte - darunter lebenslange Freundschaften - zu Künstlern und Intellektuellen wie Aristide Maillol, Charles Despiau, Maurice de Vlaminck,Robert Delaunay, Emile Antoine Bourdelle, Constantin Brâncuși, Jules Pascin,Jean Fautrier, Isamu Noguchi oder Man Ray und bereiste Nordafrika. Dabeibegegnete er der Griechin Demetra Messala, genannt "Mimina", die seine Lebensgefährtin wurde. Demetra war die Tochter eines griechischen Diplomaten,die bereits für Pablo Picasso und Aristide Maillol Modell zu stehen pflegte. Breker fertigte 1933 von ihr eine Skulptur an. Es entstanden zahlreiche Skizzen und Zeichnungen sowie die Radierungs- und Lithographienfolge Tunesische Reise. 1927 stellte er gemeinsam mit Alf Bayrle aus, der ebenfalls in Parislebte. Daraus entstand eine langjährige Freundschaft, die auch durch einenregen Briefaustausch belegt ist.

Brekers plastische Arbeiten wurden in diesem Zeitabschnittstark von Aristide Maillol, Charles Despiau und Auguste Rodin beeinflusst. Breker versuchte bei seinen Akten, Torsi und Porträtbüsten dieunterschiedlichen Stile, auch die Oberflächenbehandlungen seiner Vorbilder zuverschmelzen. Außerdem entwickelte er das Gussverfahren der reinen Form - ohne Unebenheiten an den Oberflächen seiner Figuren -, das später für seine Darstellungen zur Zeit des Nationalsozialismus kennzeichnend wurde.

Die Verbindung nach Deutschland riss jedoch nicht ab. Soerhielt er Aufträge für eine Großplastik für die Matthäikirche in Düsseldorfund für das Denkmal Conrad Röntgens in Remscheid. Es fanden Ausstellungenseiner Werke statt, er nahm an Wettbewerben in Deutschland teil, unter anderemam Wettbewerb der Stadt Düsseldorf für ein Heinrich-Heine-Denkmal (Standortseit 1983 vor dem Kurtheater Norderney ).

Im Jahre 1932 erhielt er den Rom-Preis der Preußischen Akademie der Künste. Mit diesem Preis war ein Stipendium verbunden, und erverbrachte sieben Monate, von Oktober 1932 bis Mai 1933, in der Villa Massimo. Hier war einer seiner jüdischen Bekannten, der Künstler Felix Nussbaum, sein Ateliernachbar. Während seines Romaufenthaltes gestaltete Breker unter anderemeine Rekonstruktion der ersten Fassung von Michelangelos Pietà, die auch in Fachkreisen Erwähnung fand, und beteiligte sich an einem Wettbewerb für einen Soldatenfriedhof in Frankreich (Fricourt/Departement Somme ). Seine Zeit in Romsah Breker selbst als "Vorbereitung auf die monumentale Arbeit großen Ausmaßes,die mich erwartete".

1933 folgten Studienaufenthalte in Florenz und Neapel. Diehier aufgenommenen Anregungen von der Skulptur der Antike und der Renaissance -insbesondere Michelangelos - beeinflussten nachhaltig Brekers mittlere,sogenannte "klassische Periode" zur Zeit des Nationalsozialismus.

1934 verließ Breker Frankreich und kehrte nach Deutschlandzurück. Nach Brekers eigenem Bekunden war es das Drängen von Wilhelm Hausenstein, Grete Ring und Max Liebermann, das ihn dazu bewog, Paris zuverlassen, um sich in Berlin niederzulassen. Liebermann vermittelte Breker amneuen Wohnsitz das Atelier des 1921 verstorbenen Bildhauers August Gaul. Esentstand eine Büste von Liebermann. Zu dessen Tod 1935 nahm Breker ihm die Totenmaske ab.

Breker galt den Nationalsozialisten zunächst als dekadentund zu frankreichorientiert, und so führte er in der ersten Zeit nach seiner Rückkehr vor allem Porträtaufträge von Industriellen, Militärs oder auch Künstlerkollegen aus. 1935 erhielt er zwar schon erste öffentliche Aufträge:die Hoheitszeichen am Berliner Finanzministerium, Steinreliefs am Gebäude der Nordstern-Lebensversicherung in Berlin-Schöneberg, figürlicher Schmuck am Hauptportal der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, Berlin-Adlershof, die Plastik Der Flieger für das Hauptgebäude der Dresdner Luftkriegsschule, docherst im Jahre 1936 begann sein rasanter Aufstieg zum prominentesten Bildhauerdes Dritten Reiches. 1937 trat er der NSDAP bei.

Für die von 1936 bis 1938 durchgeführten Umbauten der Gruftvon Heinrich dem Löwen im Braunschweiger Dom fertigte Breker ein Löwenkopf-Relief.

Sein Entwurf, den er anlässlich eines Wettbewerbs zur Gestaltung der Torpfeiler der Dietrich-Eckart-Freilichtbühne auf dem Reichssportfeld einreichte, wurde angekauft. Im Anschluss daran erhielt er den Auftrag für zwei Monumentalfiguren für das Haus des Deutschen Sports (Zehnkämpfer und Siegerin ), die insbesondere Hitlers Aufmerksamkeit erlangten. Für beide Figuren erhielt er bei der Olympischen Kunstausstellung in Berlin 1936 im Plastik-Wettbewerb die Silbermedaille des Internationalen Olympischen Komitees.

Mit den Olympischen Spielen 1936 war von offizieller Seitedie stilistische Orientierung an der Antike beschlossen. Brekers Anlehnung an Plastiken der griechischen Antike kam diesen Bestrebungen entgegen. In Brekers Figuren sahen die Nationalsozialisten die ästhetischen Ideale ihrer Rassenlehre, den "gesunden, arischen Menschentyp", versinnbildlicht.

So wurde Brekers Ausdrucksform als "gestaltete Gesinnung,formgewordene Weltanschauung", als richtungweisend für den "neuen deutschen Stil" proklamiert. Rückblickend bezeichnete Breker selbst das Jahr 1936 als"Wendepunkt" seiner Existenz. In der Folgezeit wurde er von der NS-Propagandavereinnahmt, zum "bedeutendsten deutschen Bildhauer der Gegenwart", gar zum Vorkämpfer der nationalsozialistischen Revolution stilisiert, schienen seinemonumentalen Figuren doch hervorragend geeignet, den Kampf des "Neuen Reiches"gegen die "Verfallserscheinungen" in der Kunst (Entartete Kunst ) und der Gesellschaft insgesamt visuell fassbar zu machen.

Breker gewann zunehmend Einfluss in kunstpolitischen Gremien. So war er Juror für die Abteilung Plastik der ersten Großen Deutschen Kunstausstellung, die erstmals im Juli 1937 (dann jährlich bis 1944) im Hausder Deutschen Kunst in München stattfand. An der Seite des Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, Adolf Ziegler, nahm Breker die Auswahl derplastischen Werke vor. Zugelassen wurden nach staatlicher Anweisungausschließlich Künstler, die nicht im Sinne der entarteten Kunst arbeiteten. Breker selbst war auf der Ausstellung mit vier Plastiken vertreten. Bis Kriegsende konnte er zweiundvierzig seiner Werke auf dieser bedeutendsten Ausstellung nationalsozialistischer Kunst zeigen. So passte Breker nicht nurseinen eigenen Stil dem künstlerischen Ideal des Regimes an, sondern fördertein seiner Eigenschaft als Juror diejenigen Künstler, die im Sinne der Machthaber arbeiteten.

Weitere öffentliche Aufträge folgten: Für die Großplastik Prometheus für das Propagandaministerium in Berlin, den Ikarus für die Dresdner Luftkriegsschule, die Rosseführer für die Bauten der Wehrmacht in Dessau, fürdie Stadt Hannover die Löwen am Maschsee.

Im selben Jahr wurde Breker Professor einer Bildhauerklassean der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und heiratete die Griechin Demetra Messala. Ende 1937 erhielt er den Auftrag zu den beiden Monumentalfiguren Partei und Wehrmacht für den Ehrenhof der Neuen Reichskanzlei (Einweihung am 9. Januar 1939). Gleichzeitig arbeitete er an fünf Figuren (Wager, Wäger, Anmut, Psyche, Eos ) und zwei Marmorreliefs (Genius, Sieger ) fürden Runden Saal dieses Gebäudes. Diese Aufträge bildeten den Beginn der engenpersönlichen Zusammenarbeit zwischen dem Bildhauer und Albert Speer, seit 30. Januar 1937 Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, der die"Neugestaltung Berlins zur Hauptstadt des Großgermanischen Reiches" planen unddurchführen sollte. Breker wurde die Aufgabe übertragen, die Neubauten mitseinen Plastiken zu schmücken. Gefördert wurde Brekers Aufstieg vermutlich von Wilhelm Kreis, Brekers ehemaligem Lehrer für Architektur an der Düsseldorfer Kunstakademie, mit dem Breker zeitlebens eine enge Freundschaft verband. Esentstanden Entwürfe Brekers für den Brunnen am Runden Platz, Reliefs für diegeplante Soldatenhalle, für einen 240 Meter langen Relieffries an der geplanten Nord-Süd-Achse, eine Reihe heroisierender Darstellungen mit den Titeln Fackelträger, Opfer, Rächer, Wächter, Vergeltung und Kameraden, dann Reliefsfür den Großen Triumphbogen und den Führerbau.

Für diese Aufgabe wurde ihm in Berlin-Dahlem durch Hans Freese ein Großraumatelier eingerichtet. 1939 bis 1942 entstand das Ateliergebäude am Käuzchensteig, das wegen der nahenden Kriegsfront jedoch nurein knappes Jahr genutzt wurde. Der Berliner Senat hat es 1990 unter Denkmalschutz gestellt.

Im Frühjahr 1938 wurde in Warschau und Krakau die Schau Deutsche Bildhauer der Gegenwart mit Breker, Georg Kolbe und Richard Scheibeein großer Erfolg. 1940 erhielt Breker als erster bildender Künstler den Mussolini-Preis der Biennale in Venedig. 1941 wurde Breker Vizepräsident der Reichskulturkammer der Bildenden Künste.

Im Mai 1942 eröffnete die Vichy-Regierung eine Arno-Breker-Einzelausstellung in der Orangerie des Tuileriengartens im besetzten Paris mit einem Staatsakt - in Anwesenheit von Abel Bonnard, Fernand de Brinon,Jacques Benoist-Méchin, Georges Scapini, zahlreichen französischen Künstlern,wie Charles Despiau, Jean Cocteau, dem deutschen Botschafter Otto Abetz undweiteren Vertretern der deutschen Besatzungsmacht und anderen ausgewählten Gästen. Erziehungs- und Unterrichtsminister Abel Bonnard und Staatssekretär Jacques Benoist-Méchin hielten hierbei die offiziellen Ansprachen.

Weitere Einzelausstellungen während des Krieges fanden statt 1943 im "Haus der rheinischen Heimat" in Köln und von Juni bis September 1944im Potsdamer Garnisonsmuseum Lustgarten - veranstaltet von Albert Speer und dem Gauleiter für die Mark Brandenburg, Oberpräsident Emil Stürtz.

Am 23. Juni 1940, einen Tag nach Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens mit Frankreich im Wald von Compiègne, nahm Breker im Gefolge von Adolf Hitler, zusammen mit den Architekten Albert Speer und Hermann Giesler, an einer nur wenige Stunden dauernden Visite des besetzten Paris teil. Besichtigt wurden die Pariser Oper, Champs Elysées, Trocadéro, Eiffelturm,Invalidendom (Grabstätte Napoleons I. ), Panthéon und Sacré Cœur. Wenig spätererhielt Breker - vermutlich vermittelt von Speer - das "arisierte" Luxusapartmentvon Helena Rubinstein auf der Ile Saint Louis (Quai de Béthune 24) zu seiner Verfügung.

Zu seinem 40. Geburtstag 1940 erhielt Breker von Hitler dasehemalige Rittergut Jäckelsbruch in Eichwerder (Wriezen ) zum Geschenk, in"dankbarer Anerkennung seiner schöpferischen Arbeit im Dienste der deutschen Kunst". Die Schenkung umfasste nicht nur das Schloss mit Park, sondern auch diegesamte Ausstattung des Hauses sowie ein vom Architekten Friedrich Tamms neuerbautes Atelier. Die Innenausstattung wurde von Paul von Waldthausen neuentworfen.

Im April 1942 erwähnte Hitler bei einem Tischgespräch, dasser persönlich dafür gesorgt hätte, das Jahreseinkommen Brekers von einer Million RM bei einem Steuersatz von 15 % zu belassen.In Wriezen befand sichseit Mitte 1941 ein großes Werksgelände mit Gleisanschluss und Kanalhafen - die Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker Gmb H. Die Dotation hatte einen Wert von 800.000 Reichsmark.

Bei den Steinbildhauerwerkstätten handelte es sich um eine Einrichtung des Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt Berlin, was es Speer ermöglichte, Aufträge jedweder Größenordnung ohne Genehmigungsverfahrendirekt an Breker zu vergeben. In den Werkstätten entstanden Bildhauerarbeitenfür die Neugestaltung Berlins und für das Parteitagsgelände in Nürnberg. Die Werkstätten wurden in den folgenden Jahren mit Millionenbeträgen kontinuierlichausgebaut. Gegen Ende des Krieges wurden bis zu 50 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter für Arbeiten an den Figuren eingesetzt.

1944 folgte Breker dem Ruf an die Preußische Akademie der Künste als Vorsteher eines Meisterateliers und wurde in den Senat der Akademieaufgenommen. Ebenfalls 1944 wurde über Breker der Dokumentarfilm Arno Breker -Harte Zeit, starke Kunst gedreht. (Regie: Arnold Fanck, Hans Cürlis;Produktion: Riefenstahl-Film Gmb H, Berlin ). Angesichts dieser zahlreichen Aktivitäten wurde der Bildhauer von Adolf Hitler selbst in die Sonderliste der Gottbegnadeten-Liste mit den "unersetzlichen Künstlern" aufgenommen, was für ihndie Freistellung vom Kriegsdienst bedeutete. Von den Monumentalplastiken wurdenviele durch Kriegseinwirkung zerstört, andere Werke verschwanden in Depots oderbefinden sich in privaten Sammlungen, einige seiner Werke stehen jedoch nachwie vor auf Sockeln in Museen, in Parks oder an Portalen und Plätzen, ohne aufden ersten Blick als Plastiken von Arno Breker erkannt zu werden.

Ab Mitte 1944, als die Luftangriffe auf Berlin zu heftigwurden, suchte der Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte ineinem Barackenlager in Wriezen Unterschlupf.

Zahlreiche Bildbände und Fotopostkarten sind in dieser Zeit entstanden. Fotografiert wurden Brekers Werke von Charlotte Rohrbach.

Nachkriegszeit

Im Frühjahr 1945 zog Breker nach Wemding in Bayern.

1948 wurde Breker bei der Entnazifizierung durch die Spruchkammer Donauwörth in der damaligen US-Besatzungszone Bayern, trotz seinesmassiven künstlerischen Engagements für den nationalsozialistischen Staat, als Mitläufer eingestuft, da er sich nachweislich für verfolgte Künstler eingesetzthatte. In Paris hatte er nach eigener Darstellung während der deutschen Besetzung den Maler Pablo Picasso vor dem Zugriff der Gestapo bewahrt; Picasso,Sympathisant der Kommunisten, sei so der Deportation in ein Konzentrationslagerentgangen. Ein Verdienst von Arno Breker war die Rettung des deutschen Verlegers Peter Suhrkamp, der unter dem dringenden Verdacht des Widerstandesgegen Adolf Hitler inhaftiert worden war. Breker hatte Suhrkamp im Gefängnisbesucht und sich bei Albert Speer und Hitler erfolgreich für die Entlassung des Verlegers eingesetzt.

1950 ließ Breker sich in Düsseldorf nieder, wo bereitsandere ehemalige Mitarbeiter des Arbeitsstabes für den Wiederaufbau - etwa Friedrich Tamms, Wilhelm Kreis, Helmut Hentrich, Rudolf Wolters, Hans Heuser,Karl Piepenburg, Hanns Dustmann, Kurt Groote später auch Julius Schulte-Frohlinde - wieder Fuß gefasst hatten. Es darf angenommen werden, dassder ebenfalls in Wriezen weilende Arno Breker durch seine Kontakte zum Kreisdes Generalbauinspektors bzw. dem Arbeitsstabs über die Nachkriegsplanungen gutinformiert war. Nachdem Friedrich Tamms im Jahre 1948 zum Leiter des Stadtplanungsamtes Düsseldorf ernannt worden war und in der Folge in enger Zusammenarbeit mit Rudolf Wolters begann, verstärkt ehemalige Mitarbeiter des Generalbauinspektors der Reichshauptstadt Berlin nach Düsseldorf zu ziehen,hielt offensichtlich auch Arno Breker den Zeitpunkt für gekommen, seinen Wohnsitz hierhin zu verlegen.

Arno Brekers Bruder Hans, Bildhauer wie Arno, und wie dieserfür das NS-Regime tätig (Bronzerelief des Marineehrenmals in Laboe 1935/36,"Ährenlesergruppe" und "Sämann" für die Ausstellung "Schaffendes Volk" in Düsseldorf 1937, Plastik für das NS-Mutterheim in Meisenheim am Glan 1939), zog 1954 ebenfalls nach Düsseldorf. Arno Breker bezog das frühere Atelier des Tierbildhauers Josef Pallenberg, heiratete 1958 - zwei Jahre nach dem Todseiner ersten Frau Demetra - die 26 Jahre jüngere Charlotte Kluge, mit der erzwei Kinder hatte (Sohn Gerhard, geb. 1959 und Tochter Carola, geb. 1962).

Nach 1945 erhielt er kaum noch öffentliche, jedochzahlreiche private Aufträge: Er porträtierte einflussreiche Industrielle - wie Hermann Josef Abs, Hugo Henkel, Günther und Herbert Quandt, Rudolf-August Oetker, Paul Girardet und Gustav Schickedanz -, Politiker - wie Konrad Adenauer, Ludwig Erhard -, Künstler - wie Jean Cocteau, Jean Marais, Salvador Dalí, Ernst Jünger, Ezra Pound - oder Kunstsammler wie Irene und Peter Ludwig,und bezog angeblich Gagen von bis zu 150.000 Mark. Er war befreundet mit Salvador Dalí und Ernst Fuchs. Über die Freundschaft der drei Künstler, genannt Goldenes Dreieck, sagte Dalí: "Breker-Dalí-Fuchs. Man kann uns wenden wie manwill, wir sind immer oben."[9] Über Breker, den er als einen großen Künstleransah und den er in seiner Fernsehsendung über Künstler lobte, sagte er:"Breker hat meine Seele eingefangen."

Sein Löwe war eine Studie zum "Denkmal zur Befreiung Afrikas", an dem Breker auf Wunsch König Hassan II. von Marokko seit 1970arbeitete und das auf dem Großen Platz der Vereinten Nationen in Casablancastehen sollte. Den Auftrag hatte er durch Vermittlung von Jacques Benoist-Méchin bekommen, der mit dem König befreundet war. Nach dem Attentatauf den König 1971, bei dem auch Benoist-Méchin und Breker anwesend waren undbei dem sie, wie der König, nur knapp dem Tode entgingen, wurde das Denkmalnicht mehr gebaut.

Breker behielt seine Vorliebe für Porträtbüsten undathletische, meist männliche Körper. Bis in die 1980er Jahre arbeitete er, dernach eigenen Angaben "von Muskeln nie genug kriegen" konnte (Breker 1980), nach Sportlermodellen. Der Zehnkämpfer Jürgen Hingsen, die Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfarth sowie die Schwimmer Walter Kusch und Peter Nocke standen ihm Modell. Hingsen wurde als "griechischer Apoll" verewigt.

Zusammen mit dem Dichter und Philosophen Rolf Schillingentstand das Gemeinschaftswerk "Tage der Götter", das zahlreiche Zeichnungendes Bildhauers enthält. Für die Luxusausgabe der Publikation widmete er Schilling die Original-Lithographie Orpheus mit der Harfe. Schilling war außerdemim Figuren-Atelier zu Gast sowie in Brekers Museum.

Breker hatte sich zeitlebens mit Architekturprojektenbefasst. Sein früheres Fachstudium in Düsseldorf war nach Angaben von Albert Speer auch hilfreich für die Pläne der Neugestaltung Berlins. Nach 1945 wirkteer unter anderem bei der Gestaltung der Gerling-Konzernzentrale in Köln mit. Wegen des monumentalen Charakters der Bauten, die Erinnerungen an die Kolossalgebäude Albert Speers weckten, wurde das Gebäude-Ensemble von der Bevölkerung schon bald "Kleine Reichskanzlei" genannt. Hier geriet Breker schonallein deshalb in Kritik, weil die beteiligten Architekten und Bauleiter (Kurt Groote, Karl Piepenburg, Helmut Hentrich, Hans Heuser ) wie die unterstützenden Gutachter Friedrich Tamms und Hans Mertens bereits im "Dritten Reich" führendtätig waren. Nach Dissonanzen mit Hans Gerling, dem Sohn des Konzern-Gründers Robert Gerling, legten die Architekten Helmut Hentrich und Hans Heuser ihren Auftrag nieder und das Gebäude wurde unter der formalen Leitung Brekers von Hans Gerling in eigener Regie vollendet. Breker war hier aktiv als Bildhauertätig. Die Figuren auf dem zentralen Brunnen am Gereonshof stammen von ihm,ebenso mehrere an den Wänden der Gebäude angebrachte Reliefs: Darstellungen der Heiligen Drei Könige, St. Georg und St. Martin, St. Christophorus sowie andere Figurengruppen.

1955/1956 entwarf Breker das heute denkmalgeschützte Büro-und Wohngebäude für den Gerling-Konzern in der Körnerstraße 45 in Hagen, 1957das heute ebenfalls denkmalgeschützte Bürogebäude Jägerhofstraße 21 in Düsseldorf-Pempelfort.


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