131 Soldbuch des Generals der Infanterie Friedrich Wiese, Träger des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (24.01.1944)
General der Infanterie Friedrich Wiese
Soldbuch mit Auszeichnungen
09.02.40 Medaille zur Erinnerung an den 8.10.38
03.06.40 Spange zum Eisernen Kreuz II. Klasse
16.06.40 Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse
14.02.42 Ritterkreuz
18.2.42 Deutsches Kreuz in Gold
16.07.42 Ostmedaille
24.01.44 Eichenlaub zum Ritterkreuz
Original Erkennungsmarke
Handgeschriebenes Gratulationsschreiben vom 3.12. 44 von Kommandeur der 198. Infanterie Division Generalmajor Ott-Ernst Schiel mit Originalunterschrift.
Diverse Fotos und Dokumente
Als 372. Soldat der deutschen Wehrmacht erhielt
Friedrich Wiese
am 24.1.1944 das Eichenlaub.
Ritterkreuz am 14.2.1942
Letzter Dienstgrad: General der Infanterie
Friedrich Wiese wurde am 5.12.1892 in Nordhastedt/Schles-
wig-Holstein geboren.
Am 4.8.1914 trat er als Kriegsfreiwilliger in das Inf.Rgt.84 ein,
wurde am 6.11.1915 zum Leutnant befördert und nahm im
1.R.147, am 6.11.1915 zum Leutnant d.R. befördert, am 1.
Weltkrieg teil. In der „Eisernen Division“ im Baltikum wurde er
als MG-Kompanieführer am 1.9.1919 zum Oberleutnant
befördert, gehörte bis 1935 der Hamburger Polizei an und
wurde als Major wieder in das Heer übernommen. 1936
wurde er Kommandeur'des 1./1.R.116 der 9. Inf.-Division in
Gießen und am 1.6.1938 zum Oberstleutnant befördert.
1939
Die 9. Inf.-Division wurde am 26.8.1939 mobilgemacht und
stand dann zur Grenzsicherung an der Westfront. Im März
1940 verlegte sie aus der Eifel in den Raum Trier und berei-
tete sich auf den kommenden Westfeldzug vor.
1940:
Mit Beginn des Westfeldzuges am 10.5.1940 stieß die Divisi-
on durch Belgien vor. Dabei gelangte sie über Bastogne und
St. Quentin bis in den Raum südlich von Arras und ging hier
zur Verteidigung des Somme-Brückenkopfs über. In der zwei-
ten Feldzugsphase ging die Division über die Somme in Rich-
tung Paris vor und überschritt am 12. und 13.6.1940 die Seine
dicht ostwärts von Paris. Nach dem Feldzug verblieb die Divi-
sion als Besatzungstruppe in Frankreich. Ab 10.10.1940
erfolgte seine Ernennung zum Kommandeur des 1.R.39 der
26. Inf.-Division, welche ebenfalls als Besatzungstruppe in
Frankreich lag.
1941:
Ende Mai 1941 verlegte die 26. Inf.-Division nach Ostpolen
und am 1.6.1941 erfolgte seine Beförderung zum Oberst. Ab
22.6.1941 z0og die Division bei Suwalki über die Grenze und
stieß in den Raum südlich Kowno, direkt nach Polozk an der
Düna. Von hier aus ging es unter schweren und verlustrei-
chen Kämpfen weiter bis in den Raum Smolensk. Mit Beginn
des Angriffs auf Moskau im Oktober 1941 griff die Division
südlich Bjeloje nach-Osten an, drehte dann nach Süden zur
Schlacht um Wjasma ein und stieß nach Beginn der zweiten
Angriffsphase Ende November 1941 in den Raum nördlich
Staritza zwischen Tyma und der Wolga westlich Moskau Vvor.
Von hier aus mußte sich die Division nach Beginn der sowje-
tischen Gegenoffensive dem Rückzug der 9. Armee bis in den
Raum Rshew anschließen.
1942:
Die 26. Inf.-Division verteidigte im Januar und Februar 1942
den Raum nördlich von Rshew und die Stadt selbst gegen
weit überlegene sowjetische Verbände, Dabei zeichnete er
Sich wiederholt durch persönliche Tapferkeit aus und erhielt
dafür am 14.2.1942, als Oberst und Kommandeur des 1.R.39,
das Ritterkreuz, sowie am 16.2.1942, das Deutsche Kreuz in
Gold. Ab 11.4.1942 Führer der 26. Inf.-Division, erfolgte am
1.9.1942 seine Beförderung zum Generaimajor und ab
1.10.1942 seine Ernennung zum Kommandeur der Division.
Ab August 1942 kam die 26. Inf.Div. dann nördlich Orel in
wechselnden Abschnitten zum Einsatz.
1943:
Am 1.1.1943 zum Generalleutnant befördert, verlegte er mit
seiner Division eilig in den Donbogen. Hier war es ihre Auf-
gabe, zwischen Don und Oskol den Zusammenbruch der
geschlagenen 8. italienischen Armee verhindern zu helfen.
Doch bei diesen Kämpfen wurde die Division selbst einge-
schlossen, konnte sich aber am 22. und 23.1.1943 durch-
schlagen. Ab 13.8.1943 übernahm er als Kom.Gen. das
XXXV. Armeekorps im Raum südlich Brjansk und am
1.10.1943 erfolgte seine Beförderung zum General der Infan-
terie. Im Herbst 1943 bestritt er mit seinem Korps die Rück-
zugskämpfe in den Raum Gomel. Die mustergültig vorberei-
tete Räumung des Brückenkopfes Gomel war nicht zuletzt
seiner überlegenen Führungskunst zu verdanken. Trotz
übermächtiger Feindkräfte konnte er mit seinem Korps Ende
1943 südwestlich Shlobin alle weiteren Durchbruchversuche
vereiteln. Dafür erhielt er am 24.1.1944, als General der
Infanterie und Kom.Gen. des XXXV. Armeekorps, das 372.
Eichenlaub zum Ritterkreuz. Der Vernichtungsschlag der
Roten Armee gegen die Heeresgruppe „Mitte“ im Juni 1944
traf auch sein Korps mit voller Wucht und zerschlug es. Ab
29.6.1944 bis Ende 1944 war er O.B. der 19. Armee in
Südostfrankreich, kämpfte sich mit dieser im Herbst 1944
durch das Rhonetal Elsaß/Lothringen zurück und wurde
anschließend in die Führerreserve des OKH versetzt. Im
März und April 1945 führte er noch das VIll. und XI. Armee-
korps in Schlesien und geriet bei Kriegsende in amerikanische
Gefangenschaft.
In der zeithistorischen Einordnung stellt dieses geschlossene Ensemble eine Besonderheit von allerhöchster Seltenheit dar: Der handschriftliche Eintrag zum Eichenlaub des Ritterkreuzes erfolgte am exakt selben Tag der
offiziellen Verleihung, dem 24.01.1944. Ein solcher Echtzeit-Eintrag direkt im Felde ist für Generals-Soldbücher, die ab 1944 im Frontdienst kaum noch geführt wurden, eine absolute Ausnahme. Zudem dokumentiert der blaue Stempel auf der ersten
Seite die offizielle Registrierung im alliierten Gefangenenlager (P.W.I.B. = Prisoner of War Information Bureau). Während hochrangigen Generälen bei diesem bürokratischen Erfassungsprozess im Mai 1945 fast ausnahmslos alle persönlichen
Gegenstände und insbesondere die Erkennungsmarken als Souvenirs abgenommen wurden, gelang es Wiese, seine Erkennungsmarke mit der legendären Kommandeur-Prägenummer 1 durch die allierten Kontrollen zu retten. Dass dieses
lückenlos übereinstimmende Set die Nachkriegszeit unberührt überstanden hat, ist eine Rarität ersten Ranges.