Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939: Große Verleihungsurkunde des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an den U-Boot-Kommandanten Kapitänleutnant Friedrich Guggenberger (171. Eichenlaub am 8. 1. 1943).

Datiert Führerhauptquartier, den 8. Januar 1943. Mit Unterschrift des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler (Pantograf).

Die Urkunde auf großem Pergamentbogen (Doppelblatt) von Hand geschrieben, das Hoheitszeichen und der Name des Beliehenen in erhabenem Gold gehalten.
Die Eichenlaub-Mappe aus antikem Pergament mit aufgelegtem, feuervergoldeten Hoheitszeichen. Die Innendeckel mit Pergamentspiegeln und handvergoldeter Linieneinfassung. Am rückseitigen unteren Rand signiert „FRIEDA THIERSCH“.

Friedrich Guggenberger wurde am 6. 3. 1915 in München geboren. Nach dem Abitur trat er 1934 in die Reichsmarine ein, wurde im April 1937 zum Leutnant z. S. befördert und meldete sich 1939 zur U-Boot-Waffe.
Bei Kriegsbeginn befand er sich auf der U-Boot-Schule und wurde im Januar 1940
I. Wachoffizier auf „U-28“. Zum Oberleutnant z. S. befördert, übernahm er im November 1940 „U-28“ als Kommandant, welches er dann bis Februar 1941 führte.

Im April 1941 übernahm er als Kommandant „U-81“ und versenkte mit diesem auf einer Feindfahrt im Nordatlantik und vier weiteren im Mittelmeer den Flugzeugträger „Ark Royal“ sowie sieben Dampfer und acht Frachtensegler. Am 1. 9. 1941 erfolgte seine Beförderung zum Kapitänleutnant.
Die am 14. 11. 1941 durch zwei Torpedos von „U-81“ getroffene „Ark Royal“ war mit mehr als 60 Flugzeugen und über 1.600 Mann Besatzung der größte, modernste und beste Flugzeugträger der britischen Flotte. Die Versenkung kann gleichzeitig als Revange für die Versenkung der Bismarck gewertet werden, waren doch die Flugzeuge welche die Bismarck mit ihren Torpedos quasi manövrierunfähig schossen von Bord der Ark Royal gestartet.
Für diesen spektakulären Erfolg  erhielt er am 10. 12. 1941, als Kapitänleutnant und Kommandant von „U-81“, das Ritterkreuz.
In der folgenden Zeit versenkte er wiederum Tanker und Frachter mit rund 30.000 BRT, neun Frachtensegler und einen Bewacher, torpedierte einen Kreuzer, einen Zerstörer und ein Geleitfahrzeug und beschädigte durch Artilleriebeschuss das E-Werk in Jaffa. Diese Erfolge sind wegen der schwierigen Verhältnisse im Mittelmeer bei der außerordentlich starken Abwehr von See- und Luftstreitkräften besonders hoch zu bewerten.
Dafür erhielt er am 8. 1. 1943, als Kapitänleutnant und Kommandant von „U-81“ in der 1. U-Bootsflottille, das 171. Eichenlaub zum Ritterkreuz.
Im Mai 1943 übernahm er als Kommandant „U-513“ und kam mit diesem im Südatlantik zum Einsatz. Am 19. 7. 1943 wurde das Boot nach der Versenkung von drei Schiffen vor der brasilianischen Küste durch amerikanische Flugzeuge angegriffen und versenkt. Dabei kamen 46 Besatzungsangehörige ums Leben. Nur er und sechs Mann, die sich gerade im Turm befanden, gelangten lebend an die Wasseroberfläche und wurden von dem amerikanischen Kreuzer „Barnegate“ an Bord genommen. Hier erhielt er im Bordlazarett erste ärztliche Versorgung seiner schweren Rückenwunde. Nach dem Lager Fort Hunt und dem Lager Crossville/Tennessee kam er in das Lager „Papago-Park“ in Phoenix/Arizona. Hier traf er seinen Freund, den Ritterkreuzträger Kapitänleutnant August Maus von der Crew 34, wieder. Nach monatelangen Vorbereitungen, der Anfertigung von Zivilkleidung, dem Bau eines 55 m langen Tunnels unter dem Stacheldraht hindurch, der Besorgung von Landkarten sowie der Sammlung von Fluchtproviant und Dollars, machten er und weitere Offiziere sich am 23. 12. 1944 auf den Weg durch den Tunnel. Am 6. 1. 1945 endete seine Flucht – nur knapp 6 km von der mexikanischen Grenze entfernt. Im August 1946 wurde er in Bad Aibling/Bayern aus der Gefangenschaft entlassen. 1956 wurde er in die neue Bundesmarine übernommen und war zuletzt Chef des Stabes beim deutschen Anteil AFNORTH (Alliierte Streitkräfte Europa Nord) im Range eines Konteradmirals und ging am 30. 9. 1972 in Pension. Guggenberger verstarb im Jahr 1988.

Seltenes und bedeutendes Verleihungsdokument dieses tapferen U-Boot-Kommandanten und Zeugnis für die hohe Wertschätzung, die dem Ritterkreuz und seinen höheren Stufen als Tapferkeitsauszeichnung entgegengebracht wurde.

Die Urkunden sind vom kunsthistorischen Standpunkt aus betrachtet einzigartig. Durch das Zusammenwirken von Professor Gerdy Troost mit Frieda Thiersch, der bedeutendsten deutschen Buchbinderin des 20. Jahrhunderts, beim Entwurf und der Fertigung der Kassetten und Mappen, der kalligrafischen Höchstleistung der Grafikerin Franziska Kobell, die zusammen mit ihren Mitarbeitern die Urkunden von Hand schrieb, und dem Können der Goldschmiede Franz und Professor Hermann Wandinger bei der Ausführung der Goldschmiedearbeiten, wurden bedeutende künstlerische Objekte geschaffen. Kein Staat der Welt hat zuvor oder danach jemals einen solchen Aufwand bei der Gestaltung der Verleihungsurkunden seiner höchsten Auszeichnungen betrieben. Selbst die kalligrafisch hochstehenden Verleihungsurkunden der angesehensten weltlichen Ritterorden wie des Goldenen Vlieses und des Hosenbandordens erreichen dieses Niveau nicht. Die Schlichtheit der tragbaren Auszeichnung, des von dem bedeutendsten deutschen Architekten des Klassizismus, Karl Friedrich Schinkel, 1813 entworfenen Eisernen Kreuzes, bildet dazu einen augenfälligen Kontrast von hohem Sinngehalt. Zusammengenommen stellen Urkunde und Auszeichnung mit das Gelungenste dar, das jemals im Bereich des Auszeichnungswesens geschaffen wurde.

Die Mappe mit ganz leichten Stockflecken. Der Adler in feiner Feuervergoldung (unverputzt). Die Urkunde im Bestzustand.
Losnummer: 123
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Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939:   Große Verleihungsurkunde des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an den U-Boot-Kommandanten Kapitänleutnant Friedrich Guggenberger (171. Eichenlaub am 8. 1. 1943).
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