Hessen Kassel Orden Pour la Vertu Militaire: Ordenskreuz mit Krone, verliehen am 16.09.1849 an Oberst Theodor Weiss, Kommandeur des 3. Kurhessischen Infanterie - Regiments im Badischen Feldzug 1848/1849.

Landgraf Friedrich II. von Hessen– Kassel (1760-1785), ein Bewunderer Friedrich des Großen, hatte vor seinem Regierungsantritt in der preußischen Armee gedient und bekleidete später den Rang eines preußischenGeneralfeldmarschalls.
Der von ihm 1769 gestiftete Militärorden „pour la vertu militaire“ wurde ganz augenfällig nach dem Vorbild des von Friedrich dem Großen 1740 gestifteten preußischen Ordens Pour le Mérite gestaltet und ausschließlich für Militärverdienste an Offiziere allerDienstgrade „…zur Aufmunterung und Belohnung derjehnigen, welche sich durch Tugend, Tapferkeit, Wohlverhalten und sonstige einem Soldaten anständige Eigenschaften eines solchen in die Augen fallenden Ehrenzeichens würdig erachtet und noch künftig würdig machen werden…“ verliehen.

Historisch besonders interessant ist die Tatsache, dass der Orden im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg(1776-1781) an die auf britischer Seite kämpfenden Hessen verliehenen wurde und somit auf einem weltgeschichtlich bedeutenden Kriegsschauplatz seine Feuertaufe erhielt. Die Hessen galten bei den amerikanischen Truppen als besonders zähe und tapfere Gegner und haben als solche ihren festen Platz in der Geschichte der „American Revolution“.

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er Orden „pour la vertu militaire“ war ebenso wie sein preußisches Vorbild einklassig. 1772 verfügte Landgraf FriedrichII. die mit dem Orden verbundene Einführung einer in 4 Stufen gegliedertenPension für eine kleine Anzahl von Ordensrittern.
Die zum Bezug dieser mit 200– 600 Talern dotierten Pensionen Berechtigten trugen zusätzlich zum Ordenskreuz ein gesticktes Brustkreuz das jedoch statt den Löwen silberne Strahlen in den Kreuzwinkeln aufwies und im Zentrum mit einer strahlenförmigen goldenenKartusche verziert war.

Im Gegensatz zu den Ordenskreuzen war die Brustdekoration nicht von einem Kurhut bekrönt.
Die unter Landgraf Friedrich II.verliehenen Ordenskreuze tragen das Monogramm „FL“ auf dem oberen Kreuzarm. Mitdem Regierungsantritt Landgraf Wilhelm IX. wurde diese durch dessen Monogramm„WL“ ersetzt. Nach der Erhebung Wilhelms zum Kurfürsten (Wilhelm I.) im Jahr 1803 trug der Orden das Monogramm „WK“.

Ob die noch vorhandenen Ordenskreuze mit älteren Monogrammen weiter verliehen oder umgearbeitet wurden lässt sich beim derzeitigen Stand der Forschung nicht eindeutig feststellen.
1815 befanden sich 41 Kreuzemit dem Monogramm „FL“ und 11 mit dem Monogramm „WL“ im Ordensschatz. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden sämtliche Ordenskreuze bis zum Ende der Befreiungskriege 1815 mit dem Kurhut verliehen.

Die bei den letzten Verleihungen über dem Kreuz befindliche Königskrone wurde warscheinlich mit der Annahme des Titels „Königliche Hoheit“ durch Kurfürst Wilhelm I. im Jahr 1818 eingeführt.
Gegen Ende der Verleihungszeit, wahrscheinlich um 1849, wurde der Orden in Militärverdienstorden umbenannt.
Von den zwischen 1769 und 1866 insgesamt 242 verliehenen Kreuzen handelt es sich überwiegend um Exemplare mit dem Fürstenhut, bzw. Kurhut. Von dieser Ausführung sind nach derzeitigem Forschungsstand 4 originale Ordenskreuze bekannt.
Der wesentlich seltener verliehenen Typ mit Krone (1818 - 1866 ) ist nur noch in 2 Originalexemplaren nachweisbar.

Der Orden Pour la Vertu Militaire gehört zu den größten Seltenheiten unter den deutschen Orden.

Ordenskreuz mit Krone und Monogramm„WK“. Gold und Emaille, ohne Band. Das Monogramm Kurfürst Wilhelm I. sowie die Ordensdevise "VIR / TU / TI" ist in das rosa - rote Emaille der Kreuzarme in Goldfolie eingebrannt und mit gemalter schwarzer Schattierung hervorgehoben.
Die schreitenden kurhessischen Löwen zwischen den Kreuzarmen in besonders feiner und plastischer Ausführung.
Die über dem Ordenskreuz direkt an den Kreuzarmspitzen befestigte Krone besonders plastisch gearbeitet und fein ziseliert.
Die Emailleeinlagen der Kreuzarme wurden separat gefertigt und eingesetzt. Diese bereits bei dem Vorgängermodell gebräuchliche Fertigungsweise ermöglichte eine einfache und unkomplizierte Möglichkeit der Reparatur der durch das in den Statuten vorgesehene tägliche Tragen starker Abnutzung ausgesetzten Ordensinsignien.
Entsprechend wurde auch bei unserem Ordenskreuz verfahren. Die Vorderseite in ganz hervorragender Erhaltung, ein Kreuzarm der Rückseite gechipt.

Im originalen Verleihungsetui aus dunkelgrünem Maroquinleder mit goldgeprägter Bezeichnung "M.V.O. / I." (Militärverdienstorden)

Das hier angebotene Exemplar wurde am 16.9.1849 an den kurhessischen Oberst Weiss für die Kämpfe in Baden verliehen.

Der Typ mit Krone des Ordens Pour la Vertu Militaire wurde im Jahr 1818 mit Annahme des Titels "Königliche Hoheit" durch Kurfürst Wilhelm I. eingeführt.
Von diesem Typ haben sich weltweit nur zwei Exemplare erhalten.

Es existiert ein interessantes zeitgenössisches Foto des Prinzen Alexander von Hessen und bei Rhein der 1860 als letzter Ritter des Ordens Pour la Vertu Militaire (MVO) ausgezeichnet wurde. Er trägt exakt denselben Typ des Ordens Pour la Vertu Militaire, wie das hier angebotene, 1849 an Oberst Weiss verliehene Exemplar.

Unser Stück ist bei Karsten Klingbeil / Andreas Thies: Orden 1700 - 2000, Band I, S.286, Nr. 956 abgebildet und beschrieben.
Es wurde im Jahr 1981 über den staatlichen Kunsthandel der DDR in einer Leipziger Münzauktion versteigert und gelangte in die Sammlung Werner Sauer. Von dort kam es in eine große Privatsammlung aus der es jetzt zur Auktion eingeliefert wurde.

Zur ausführlichen Geschichte des Ordens Pour la Vertu Militaire und des in dieser Auktion angebotenen Ordenskreuzes vgl. Gerhard Große - Löscher: Der Hessen-Kasselsche Orden "Pour la Vertu Militaire" unter besonderer Berücksichtigung der Ordensdekoration. In BDOS / FDOM (Hersg.): Orden - Militaria - Magazin 50, 11. Jahrgang, Oktober 1992.

Bedeutendes Ordenskreuz in allerfeinster Goldschmiedearbeit. Einer der seltensten Orden der Welt.





Order Pour la Vertu Militaire: Order Cross with Royal Crown, awarded on September 16, 1849 to Colonel Theodor Weiss, Commander of the 3rd Kurhessian Infantry Regiment in the Baden Campaign 1848/1849.

Landgrave Frederick II of Hesse-Kassel (1760-1785), an admirer of Frederick the Great, had served in the Prussian army before taking office and later held the rank of Prussian Field Marshal.

The military order "pour la vertu militaire", which he founded in 1769, was obviously modelled on the Prussian order Pour le Mérite, founded by Frederick the Great in 1740, and was awarded exclusively for military service to officers of all ranks "...for the encouragement and reward of those who, by virtue, bravery, good conduct and other qualities befitting a soldier, have deemed themselves worthy of such an eye-catching decoration and will continue to do so in the future...". Of particular historical interest is the fact that the Order was awarded to the Hessians fighting on the British side in the American War of Independence (1776-1781) and thus received its baptism of fire in an important theatre of war in world history. The Hessians were considered by the American troops to be particularly tough and brave opponents and as such have a firm place in the history of the "American Revolution". Like its Prussian model, the Order "pour la vertu militaire" was single-class. In 1772, Landgrave Frederick II. decreed the introduction of a pension divided into four levels for a small number of knights of the Order. In addition to the Order's neck badge, those entitled to these pensions, which were endowed with 200-600 talers, wore an embroidered pectoral cross which, however, had silver rays in the corners of the cross instead of lions and was decorated in the centre with a ray-shaped golden cartouche.

In contrast to the regular neck badges, the breast decoration was not crowned by an electoral hat.
The badges awarded under Landgrave Friedrich II. bear the monogram "FL" on the upper arm of the cross. With the accession of Landgrave Wilhelm IX. this was replaced by his cypher "WL". After Wilhelm's elevation to Elector (Wilhelm I) in 1803, the Order bore the cypher "WK".

In 1815, 41 crosses with the monogram "FL" and 11 with the monogram "WL" were in the treasure of the Order. It is highly probable that all badges were awarded with the electoral hat until the end of the Napoleonic Wars in 1815.

The new type of royal crown above the cross, issued with the last awards badges, was probably introduced with the acceptance of the title "Royal Highness" by Elector Wilhelm I. in 1818.

Towards the end of the bestowal period, probably around 1849, the Order was renamed the "Order of Military Merit".
Of the 242 crosses awarded between 1769 and 1866, the vast majority were examples with the princely or electoral crown.
According to the current state of research, 4 original badges of this type are still known in private collections and museums today. The much rarer type with royal crown (1818 - 1866) is known in two original examples, both in private collections.
The Order Pour la Vertu Militaire belongs to the greatest rarities among the German orders.

Magnificent neck badge with crown and cypher "WK" (Wilhelm Kurfuerst - William Elector). Gold and enamels, without ribbon.
The monogram of Elector Wilhelm I. and the order's motto "VIR / TU / TI" are applied into the bulbous pink-red enamel of the arms of the cross in gold foil and highlighted with painted black shading.

The striding Kurhessian lions between the arms of the cross in particularly fine and detailed execution.

The royal crown attached directly to the tips of the upper arms of the cross crafted in particularly sculptural work and finely chiselled. The enamel inlays of the arms of the cross are separately applied. This method of production, which was already common with the predecessor model, made it possible to repair the Order's insignia, which were subject to heavy wear and tear due to daily wearing as stipulated in the statutes. This can also be seen in the badge offered at auction.
The obverse in excellent condition, one arm of the reverse chipped. In it's origianl case of issue of dark green morocco leather with gold embossed inscription "M.V.O. / I." (Military Order of Merit)

The neck badge offered in this auction sale was awarded on September 16,1849 to Colonel Theodor Weiss, Commander of the 3rd Kurhessian Infantry Regiment in the Baden Campaign 1848/1849.
The type with royal crown of the Order Pour la Vertu Militaire was most probably introduced in 1818 with the acceptance of the title "Royal Highness" by Elector Wilhelm I.

Only two original badges of this type seem to have survived worldwide.
There is an interesting contemporary photograph of Prince Alexander of Hesse and by Rhine who was decorated in 1860 as the last Knight of the Order Pour la Vertu Militaire (MVO). He wears exactly the same type of Order Pour la Vertu Militaire as the one offered here, awarded to Colonel Weiss in 1849.

Our piece is illustrated and described in Karsten Klingbeil / Andreas Thies: Orden 1700 - 2000, Vol. I, p.286, No. 956.
In 1981 it was sold at a Leipzig coin auction by the infamous art trade of the GDR and found it's way into the well known Werner Sauer Collection.
From there it was sold to a large private collection from which it has now been consigned to the auction.

For a detailed history of the Order Pour la Vertu Militaire and the badge offered in this auction, see Gerhard Große - Löscher: Der Hessen-Kasselsche Orden "Pour la Vertu Militaire" unter besonderer Berücksichtigung der Ordensdekoration. In BDOS / FDOM (ed.): Orden - Militaria - Magazin 50, 11th volume, October 1992.

Highly important and truly magnificent badge of the Order in finest goldsmith's craftmanship.

One of the rarest orders in the world.

Losnummer: 20
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Hessen Kassel  Orden Pour la Vertu Militaire: Ordenskreuz mit Krone, verliehen am 16.09.1849 an Oberst Theodor Weiss, Kommandeur des 3. Kurhessischen Infanterie - Regiments im Badischen Feldzug 1848/1849.
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